Der Baum am Kristallsee

 

Ein einzelner Baum steht am Ufer des Kristallsees

 Es ist ein Baum, der sich von den anderen unterscheidet, denn es ist der einzig tote Baum im ganzen Wald...

Wie es dazu kam? Lest selbst....

Die drei Boten, die sie losgeschickt hatte, waren längst im Wald verschwunden. 
Man hörte nur noch die Hufschläge ihrer Pferde aus der Ferne. Sie sah zur 
aufgehenden Sonne und dann auf den Kristallsee, der durch das Licht blutrot 
gefärbt war. Schon seit langer Zeit kam sie jeden Tag zu dem Felsen neben dem
Wasserfall... manchmal um nachzudenken, um alleine zu sein... oder einfach um ihm 
nahe zu sein. Sie schloss die Augen. Die Gefühle, die sie nun schon so lange 
Zeit begleiteten, durchströmten ihre Gedanken... Sie lächelte glücklich. Aber sie 
hatten sich verändert, seit seine Seele zu ihr flüsterte. Sie hatte die Augen 
immer noch geschlossen und sah wieder die Bilder vor sich, die sie aus ihren immer 
wiederkehrenden Träumen kannte... Das dunkle Wesen, die Rune... und die 
Schwertklinge, die auf sie zuraste. Aber dieses Mal fürchtete sie sich nicht vor 
diesem Traum, denn jemand hielt die Schwertklinge auf und bewahrte sie 
davor getroffen zu werden. Ja, ab diesem Tag würden die Albträume und die Angst 
ein Ende haben... Es war, als würde eine große Last von ihr abfallen. Der 
Nebel, der ihr wahres Ich umgab verschwand nach und nach. Sie erinnerte sich an 
ihren Namen, sah sogar ihre Eltern vor sich... Das Haus, in dem sie lebte. 
"...erst jetzt spüre ich, dass ich das was ich suchte bereits in mir 
trage... ich habe es nur nicht erkannt" Sie flüsterte ein leises Danke in den 
Wind, in der Hoffnung, dass es Ihn erreichen würde... Ein letztes Mal sah sie 
zum Wasserfall, schweifte mit ihrem Blick über den Kristallsee und den 
Drachenwald und hielt dabei fest die Kristallrose in den Händen, die ihr ein 
besonderer Freund geschenkt hatte.  
"Zeit zu gehen.." Ihre Worte verhallten im immer stärker werdenden Wind und 
bevor er sie zu jemandem tragen konnte, machte sie sich auf den langen Weg in 
ihre Heimat... 

Er saß still auf einem Baumstumpf, wissend, das etwas passiert war. So wie einst 
als er zum ersten Mal dieses Land betreten hatte, hatte Ihm auch jetzt wieder 
der Wind etwas zugeflüstert und er ahnte, was es bedeuten sollte. Seine 
Geliebte... er verspürte Ihre Nähe nicht mehr. Egal, wie weit sie auseinander 
waren, sie hatten sich immer gespürt, Ihre Wärme miteinander geteilt, doch 
dieses Gefühl war auf einmal verschwunden. Als er die drei Boten angeritten sah 
wußte er, daß er Recht hatte mit seiner bösen Ahnung. Wütend, traurig, innerlich 
total zerrissen verwandelte er sich ein letztes Mal in einen Drachen, und 
brachte Verderben über den Wald, den er einst so geliebt hatte. Die Boten, die 
Tiere, alle Lebewesen flüchteten vor der Wut, dem Feuer, das der rote Drache 
über das Land brachte... und die Götter sahen zu. Der Kristallsee, der einst aus 
den Tränen eben dieser Elfengötter entstanden war, und an dem der Krieger so 
wunderbare Stunden mit seiner Geliebten verbracht hatte, verdampfte unter dem 
Feuersturm des Drachenatem, und auch das nahmen seine Götter hin. Es blieb nur 
ein tiefes, schwarzes Loch, und der Wald, der See inmitten seiner großen 
Lichtung, hatte all seine Schönheit, sein Gefühl der Geborgenheit, das er allen 
die Ihn betraten vermittelte, verloren.

Der Drache landete irgendwo auf verbranntem, noch schwelendem Boden. Die Wut, 
die er verspürt hatte, die Wut über sich selbst war dahin, jetzt war in Ihm nur 
noch die Trauer. Und nun war es für die Elfengötter an der Zeit, das Schicksal 
des Drachenlords in Ihre Hände zu nehmen. Ein letztes Mal formten sie Ihm am 
Himmel das Bild seiner Geliebten, die mit einem Lächeln auf den Lippen auf Ihn 
hernieder sah. Der Drachenlord hob träge seinen Kopf, blickte auf zu dem Bild 
was sein Herz niemals verlassen würde. Und dann begann er bitterlich zu weinen. 
Seine Tränen flossen in diese tiefe, schwarze Loch, doch sie verdampften nicht 
in der Hitze, sondern bildeten tief unten, am Boden des ehemaligen See´s eine 
kleine, stetig größer werdende Pfütze. Wieder blickte er auf zum Himmel, und 
sah, wie seine Geliebte sich abwand, zu gehen. Dorthin, wohin sie Ihre unendlich 
lange Suche trieb. Sie drehte sich noch einmal um, und er hörte leise Ihre nun 
selbst schluchzende Stimme: " Leb wohl, mein Geliebter. Niemals werde ich Dich 
vergessen, und niemals wirst Du mein Herz verlassen, auch wenn Deine Seele es 
nun getan hat. Du hast mir das gebracht, was ich mein Leben lang verzweifelt 
suchte... meine Erinnerungen. Ich liebe Dich, und ich werde immer bei Dir 
sein.... Leb wohl"

Die Gestalt verschwand, und es gab für den Drachenlord nichts mehr, was Ihn 
hier, oder sonst wo auf der Welt noch am Leben halten sollte. Er erhob sich weit 
hinauf in den Himmel. Es sah so aus, als würde er versuchen Ihrer Gestalt zu 
folgen. Doch er hielt plötzlich inne, fast schon die Grenzen dieser Dimension 
erreichend, und begann, sich in die Tiefe des schwarzen Loches mit eben dieser 
kleine Pfütze am Boden zu stürzen. Die Elfengötter wußten, was er vorhatte, und 
sie ließen Ihn ziehen, sie beweinten sein Vorhaben, doch sie gaben Ihm all Ihre 
Kraft, um es zu vollbringen. Kurz vor dem Grund des "See´s" spie der Drachenlord 
einen Feuerball, der durch die Kraft die Ihm die Götter gaben unvorstellbare 
Größe hatte. Zeitgleich mit seinem Aufschlag am Grund des ehemaligen 
Kristallsee´s explodierte der Feuerball.

Die Götter beweinten seinen Tod, und wie vor unendlich langer Zeit schon einmal 
bildete sich auf´s neue ein See, der durch die Liebe hervorgerufen aus den 
Tränen genährt wurde. Als die Götter aufhörten zu weinen, schien sich ein 
Schleier über den Wald zu legen, und all seine Schönheit, das Gefühl der 
Sicherheit kehrte zurück, nicht so, wie es davor gewesen war, sondern 
intensiver, schöner, für einige wohl auf ewig nicht zu verstehen. Nur ein 
einziger Baum direkt am Ufer des See´s, blieb so verkohlt und abgestorben, wie 
der ganze Wald nach dem Ausbruch des Drachenlords ausgesehen hatte. Er sollte 
auf ewig an das Leben und die Liebe dieser beiden Seelen erinnern, die sich hier 
im Wald gefunden hatten, und die Götter zum Lächeln gebracht hatten. Der Baum 
wurde von niemanden wahrgenommen. Nur von denen, die reinen Herzens, und reiner Seele 
waren.

Am Grab des Urdrachen, wo der Sohn des Drachenlords seine Magie übte und bildete, 
dort wo die kleinen, schwarzen Marmorobelisken drachenkopfförmig angeordnet waren 
entstand ein neuer Stein, der sich in das Gebilde einfügte. Nun wußte sein Sohn 
was diese Steine zu bedeuten hatten. Mit einem stillen Lächeln strich er sanft 
über den Stein, wissend, das es seinem Vater und seiner Mutter gut ging, wo 
immer sie auch waren. 

Sie waren nun beide fort, doch zwei andere Seelen traten an Ihre Stelle, denn 
Ihre unendlich scheinende Liebe hatte Früchte getragen, und so wie er das 
Erbe seines Vaters trug, so würde seine Schwester das Erbe Ihrer Mutter auf ewig am Leben 
erhalten. Dies dachte er zumindest...

Es heißt, das kurz nachdem das ganze Geschehen vorbei war, die Lebewesen wieder 
in den Wald zurückkehrten, einen "Gast" in Ihrer Mitte. Die Gefährtin des Drachenlords,  die 
sie nun nicht mehr war trat an das Ufer des neu entstandenen See´s und blickte 
lange schweigend auf seine Wellen. Er hatte ein leicht rötliche Färbung 
angenommen, fast wie ein kleiner Kupferstich, und als sie mit Ihrer Hand das 
Wasser berührte, ging ein Leuchten durch das Land, das in diesem See seinen 
Mittelpunkt fand. Da wußte sie, das sie nun gehen konnte, denn der Drachenlord 
hatte sie "freigegeben", band sie nicht mehr an Ihre Liebe, sondern schickte sie 
endlich in Ihre Heimat. Sie weinte, und Ihre Tränen vermischten sich mit dem 
Wasser des See´s, den Tränen der Elfengötter....

Einige Tage nachdem die sie den See verließ, entstand am Ufer ein 
kleiner grauer Wirbel aus dem sich langsam die Gestalt eines einzelnen Mannes 
löste, der langsam hinab zum Wasser ging. Der See lag glatt wie ein Spiegel vor 
ihm. Keine Wellen waren zu sehen und kein Wind zu spüren. Es war als hielte das 
Land den Atem an. Lange schaute der Mann still auf das Wasser hinab bis er eine 
einzelne Träne weinte die wie flüssiges Silber aussah und die langsam sein 
Gesicht herabrann um dann in den See zu fallen. Als die Träne das Wasser 
berührte breiteten sich von diesem Punkt Wellen aus die über den ganzen See 
zogen und leichter Wind kam auf. Es war als wäre die Träne ein Zeichen gewesen, 
dass das Land wieder atmen sollte. Ein letztes mal schaute er in das Wasser 
und er sah die Gesichter seiner alten Weggefährten und Freunde, die ihm 
zuzulächeln schienen. Mit leiser, zitternder Stimme sprach er : "Lebt wohl meine 
Freunde. Ich werde mich um Eure Kinder kümmern, als ob sie meine eigenen 
wären und sie beschützen. Mögen eure Götter ewig ihre schützenden Hände 
über Euch halten." Langsam wendete er sich um, schaute noch einmal zu dem 
einsamen Baum am Ufer und löste sich dann in tausende kleine Lichtpunkte auf, 
die langsam zu Boden fielen und dabei verglommen....

In Nächten, in denen die Sterne hoch am Himmel stehen, und einsame Seelen oder 
Liebende zu Ihm aufblickten, sahen sie, wie sich aus den wenigen Wolken am 
Himmel die Gestalt einer Frau bildete, auf die etwas aus dem Wald heraus mit 
einem roten Leuchten antwortete. Wenn sie den Wald betraten, auf der Suche nach 
dem Ursprung, kamen sie zum See, aus dessen Tiefe heraus dieses warme, rote 
Leuchten empor zum Himmel stieg.

So hatten sich Ihre Seelen getrennt, und doch für immer verbunden. 

 

Diese Geschichte entspringt mehreren unterschiedlichen Federn.
Ich bitte daher ausdrücklich darum, keine Textpassage, geschweige denn den ganzen Text zu kopieren und in irgend einer Art und Weise zu verwenden.

In diesen Zeilen steckt sehr viel Liebe und Freundschaft. Nicht als Fiktion, sondern reell ! Behandelt diesen Text bitte daher auch genau so wie er es verdient !!! Wir danken es Euch !